Standard

Wie funktioniert eigentlich die deutsche Privatinsolvenz

Privatinsolvenz

Das Privatinsolvenzverfahren bietet überschuldeten Privatpersonen die Chance auf einen Neuanfang und gliedert sich vom außergerichtlichen Einigungsversuch über das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren bis zur Wohlverhaltensphase bzw. Restschuldbefreiung in drei Verfahrensstufen. Diese drei Stufen der Privatinsolvenz wollen wir in unserem Ratgeber heute einmal etwas näher beleuchten …

An erster Stelle im sogenannten Verbraucherinsolvenzverfahren sollte immer der außergerichtliche Einigungsversuch stehen, welcher allerdings nur dann anvisiert werden kann, wenn die Schuldner sowohl ihre Gläubiger, als auch deren Forderungen kennen. Für den außergerichtlichen Einigungsversuch sollten die Schuldner mit Hilfe einer seriösen Beratungsstelle einen Schuldenbereinigungsplan erstellen. Aus diesem geht hervor, bei welchem Gläubiger in welcher Höhe Schulden bestehen und wie diese Schulden abgetragen werden. Zumeist werden dabei Ratenzahlungen vereinbart. Dem Schuldenbereinigungsplan müssen alle Gläubiger zustimmen, damit die Einigung im Insolvenzverfahren zum Tragen kommen kann. Wird der Schuldenbereinigungsplan von einem Gläubiger nicht angenommen, folgt die zweite Stufe des Privatinsolvenz- verfahrens. Im zweiten Schritt steht der gerichtliche Schuldenbereinigungsversuch an, in dem das Insolvenzgericht den Schuldenbereinigungsplan durchzusetzen versucht.

Hierfür wird wieder der Schuldenbereinigungsplan, der schon für den ersten Schritt erstellt wurde, benötigt. Der zweite Schuldenbereinigungsplan kann im gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren auch dann durchgesetzt werden, wenn nur eine Minderheit der Gläubiger dagegen ist. Damit dies aber gelingt, ist es notwendig, dass eine Aussicht auf Erfolg, sprich auf Bereinigung der bestehenden Schulden besteht. Andernfalls scheitert der Versuch vom gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren. In diesem Fall folgt die dritte Stufe der Privatinsolvenz. Diese dritte Stufe wird auch als das vereinfachte Insolvenzverfahren benannt. Dabei wird dem Schuldner ein Treuhänder zugeteilt. Der Treuhänder ist dafür verantwortlich, den pfändbaren Teil des Einkommens des Schuldners zu verwalten und auf die Gläubiger aufzuteilen. Die so genannte Wohlverhaltensperiode fällt auch in den dritten Teil des privaten Insolvenzverfahrens. Dabei handelt es sich um eine Zeitspanne von sechs Jahren.

Während dieser sechsjährigen Zeit müssen die Schuldner den gesamten pfändbaren Teil ihres Einkommens an den Treuhänder abtreten. Weiterhin sind sie verpflichtet, jeden Wechsel des Wohnorts oder des Arbeitsplatzes zu melden. Sollte es während der Wohlverhaltensperiode im Privatinsolvenzverfahren zu einer Arbeitslosigkeit kommen, müssen die Eigenbemühungen um einen neuen Job deutlich nachgewiesen werden. Nach Ablauf der sechsjährigen Wohlverhaltensperiode kann dann endlich die Restschuldbefreiung erfolgen. Wichtig ist hierbei, dass vom Insolvenzgericht nicht alle Schulden erlassen werden. Ausgenommen von der Restschuldbefreiung sind etwa Bußgelder sowie Ordnungsgelder und Geldstrafen. Ebenfalls muss der Schuldner seinen Verpflichtungen in der gesamten Wohlverhaltensperiode nachkommen.

Sobald er hier etwas schleifen lässt, kann dem Schuldner die Restschuldbefreiung versagt werden. Insbesondere darf der Schuldner während dieser sechsjährigen Wohlverhaltensperiode keine neuen Schulden anhäufen. Darüber hinaus ist er verpflichtet, innerhalb seiner Privatinsolvenz immer seinen Mitwirkungspflichten und seinen Informationspflichten nachzukommen, da ihm bei einer Verletzung dieser Pflichten ebenfalls eine Versagung der Restschuldbefreiung droht. Besonders wichtig ist für viele Schuldner die Begleitung durch einen seriösen Insolvenzanwalt während dieser nicht ganz einfachen Zeit, welcher frühzeitig aufgesucht werden sollte.

Leave a Reply